Kennen Sie “Weltbild”? “Weltbild” ist der “Tchibo” unter den Buchhändlern. Es gibt dort alles, was Kleinbürgers Herz begehrt, und dazu keinen Kaffee, aber Bücher. Sogar Literatur lässt sich finden, allerdings nur in homöopathischer Dosis. Ein “Weltbild”-Laden ist gewissermaßen das Mekka des Kleinbildungsbürgers mit kleinem Geldbeutel, der im Gefühl, dass es hier besonders günstig sei, den üblichen Schmonzes zum Buchhandelspreis und ein paar Sonderausgaben zum Weltbildpreis kaufen kann, verpackt in jede Menge saisonale Nippes. Und dazu immer mehr Nippel.
Nun könnte einem ja “Weltbild” völlig zu Recht völlig Wurst sein, hätte man nicht eine Mutter, die diesen Laden zu ihrem Lieblingsbuchladen erkoren hätte und deshalb den Sohn gelegentlich dort Buchwünsche erfüllen ließe. Was Mutter und Sohn nicht wussten, bis heute, ist, dass “Weltbild” katholisch ist. Für den Sohn kein Problem, der gönnt auch Katholiken etwas. Die katholische Kirche gönnt sich aber nicht mehr, dass sie sonntags Enthaltsamkeit predigt und unter der Woche Erotik und Esoterik vertreibt. Dabei war das doch ein prima Modell: Wenn der Katholik schon Schweinkram liest, soll er das nicht nur tun, um etwas beichten zu können und schlechten Gewissens ein offeneres Ohr für die Predigt zu haben. Vielmehr ist es doch nur gut, dass, wenn schon Schweinkram, dann Schweinkram zur höheren Ehre Gottes bzw. zur höheren Rendite der Kirche gelesen oder gesehen wird! Und Schweinkram geht immer, oder: “Sex sells!”, wie der Marketingmann beim Vollzug jauchzt. Und über den Umweg der Erotik im “Weltbild” erreicht die Kirche auch die Herzen derer, die sich der Botschaft von z. B. Sex nur zum Kinderkriegen bisher verschlossen hatten. Gut, vielleicht nicht die Herzen, aber wenigstens die Geldbeutel öffnen sich dem höheren Zweck.
Jetzt wird “Weltbild” verkauft, weil es den Bischöfen als Gesellschaftern nicht gelungen ist, den erotischen und esoterischen Schweinkram aus dem Sortiment zu drängen. Mutter wird es freuen, denn sie gehört den Zeugen Jehovas an und in ihrem Weltbild ist die katholische Kirche (und natürlich alle anderen auch) die große Hure.
Und, das muss der Sohn zugeben: Manchmal ist es schwer, dem zu widerprechen. Für die Mutter dürfte die Nachricht, dass sie mit ihren Einkäufen bei “Weltbild” den Erzfeind unterstützt hat, indes nicht leicht zu tragen sein. Wäre sie katholisch, wäre das nun ganz einfach: Mit einer Beichte wäre alles weg. Mit Jehova büßt man länger.







