Stoßseufzend und glücklich haben sich heute viele Bewohner von Leipzig und Umgebung auf ihr heimisches Sitzmöbel platziert. Auch der Autor dieses Blogs genießt die warme Katze auf dem Bauch und das Rinnen eines noch wärmeren Grogs in denselben. Bis zu diesem behaglichen Platz unter der Katze und um den Grog herum war es ein langer, wenn auch nicht allzu weiter Weg.
Eigentlich sollte dieser Artikel “Blitzeis” heißen, denn der Autor hat herausgefunden, warum Blitzeis Blitzeis heißt, jedenfalls in Staädten, deren Bewohner das Glück haben, Straßenbahn fahren zu können. Illustrieren sollte das ein Foto von einer solchen, von den hiesigen Verkehrsbetrieben neuerdings süddeutsch “Tram” genannten Bahn, die Lichtbögen ziehend den Leipziger Abend illuminiert. Nur wollte das Biest partout nicht blitzen, wenn der Autor den Auslöser gedrückt hielt. Deshalb also nur eine Leipziger Straßenbahn, ohne Blitz, dafür wahrscheinlich die letzte des Abends. Das Blitzeis auf den Oberleitungen der Leipziger Verkehrsbetriebe hat nämlich den Straßenbahnverkehr zum Erliegen gebracht. Auch viele Fußgänger wurden durch das Blitzeis auf den Bürgersteigen zum Liegen gebracht, einige liegen jetzt sogar länger. Ihnen allen gute Besserung!
Das Blitzen der Straßenbahnen war schön anzusehen – wer sich der Stadt von weitem näherte, sah den Himmel über Leipzig weißblau leuchten, jedenfalls, solange noch Bahnen fuhren.
Der Autor ist begeisterter Radfahrer und lässt sich den Spaß am Radeln von ein paar Schneeflocken nicht nehmen. Im Gegenteil – bei Schnee sind die Radwege endlich mal frei von den sonst so hinderlichen Nordic Walkern, die bei nordischem Wetter niemals walken, und den Helmfahrradfahrern, die prinzipiell im höchsten Gang anfahren, eine Idee, auf die sie in ihrer Zeit als Autofahrer nie gekommen wären, mit der sie aber den zügigen Verkehrsfluss erheblich stören. Sie merken es nur nicht, denn sie blicken niemals zurück. Geschenkt, diese Herrschaften sitzen im Winter hinter dem Ofen oder in der Bahn, wenn sie nicht laufen müssen, weil die Bahn nicht fährt. Am heutigen Abend liefen viele Menschen, und sicher auch viele Helmfahrer. Verdient haben sie es!
Doch zurück zum Thema, dem Radfahren: Der Autor, hartgesotten, was die Fortbewegung auf zwei Rädern im Getümmel und im Gelände betrifft, war heute auch “außerhalb der Wohlfühlzone”, eine gelungene Formulierung eines Redakteurs der einzigen einheimischen Zeitung von kürzlich.
Das Blitzeis hatte sich auch auf Lenker, Scheinwerfer und Schloss festgesetzt, weshalb sich ersterer nur ungern anfassen und zweiterer nur nach Anhauchen einschalten ließ und das dritte sich nur mit Drücken und Feingefühl erstens zum Entschließen und zweitens zum Sichern des Rades verwenden ließ. Bildbeweise sind an den Seiten, achten Sie bitte auf die Eiszapfen!
Der einsetzende Regen hatte den Schnee auf den an sich erfreulich freien Radwegen zu Matsch mit Kruste verarbeitet, was zum Steckenbleiben des gesamten Fahrrads führte, und zwar etwa bis zur Oberkante des Kettenschutzes, wenn nicht bis zur Oberkante des Gepäckträgers. Ok, das war jetzt etwas übertrieben, aber kalt, nass und tief war es. In Schneematsch mit Kruste in Knöchelhöhe läuft es sich auch nicht besonders gut, auch und gerade mit mitgeführtem Fahrrad, weshalb der Autor mit den Zähnen und im Harsch knirschend entschied, Straßenbahn zu fahren, ausnahmsweise. Wenn nicht gerade heute der Straßenbahnverkehr eingestellt worden wäre…Wenigstens ist er auf dem halb gelaufenen, halb gefahrenen Heimweg noch einem eindeutig als Sommer-Nordic-Walker identifizierbaren und an der Haltestelle wartenden Passanten begegnet, der ehrfürchtig fragte: “Kann man denn bei diesem Wetter Rad fahren? Ist das nicht zu gefährlich?” und dem er nicht ganz frei von Häme entgegnen konnte: “Schneller als mit der Bahn ist es allemal!”
Jetzt ist er aber zu Hause, und wenn er noch mehr Grog trinkt, wird er noch alberner. Vor dem dritten Grog schließt er darum mit dieser bislang unbedachten These: Wäre der Sysiphosmythos in Nordeuropa erfunden worden, hätte Sysiphos Schnee geschippt, Tag für Tag, und in der Nacht hätte es wieder geschneit. Sysiphos hieße dann auch entweder Schneemann oder Schneesel, also Schnösel, und wäre der Schutzpatron der oben erwähnten Helmfahrer.
Und nun zum Grog.








Ich habe heute über 3 Stunden bis auf Arbeit gebraucht! Schrecklich!
http://thiem.lima-city.de/09-12-2010/notfallplan-der-lvb-greift-nicht/
Das hat aber auch etwas Schönes: Man kommt mit den Kollegen ins Gespräch, und sogar der Chef sagt: “Schön, dass Sie da sind.”
Ich habe dem Chef erzählt, dass es so glatt war, dass ich bei jedem Schritt vorwärts zwei zurück gerutscht bin. Als er gefragt hat, wie ich dann wohl auf Arbeit gekommen bin, habe ich den Trick verraten: Ich bin umgekehrt und wieder in Richtung nach Hause gelaufen.