Wenn man in oder in der Nähe von Leipzig wohnt, kommt es selten vor, dass man sich gegenseitig aus der Zeitung vorliest. Das liegt daran, dass es hierzulande nur zwei Zeitungen gibt, die BILD, die nur vorzubrüllen wäre, und die LVZ (Leipziger Volkszeitung), die zwar meist in ganzen Sätzen, aber nicht unbedingt vorlesetauglich schreibt. Gestern allerdings lieferte die LVZ einen Lesestoff, der zum Vorlesen im Freundeskreis reizte und zur allgemeinen und anhaltenden Erheiterung führte. Die Story: Am Freitag nächtens in der Straßenbahn greift eine angetrunkene Frau (50) auf Kontaktsuche verschiedenen Fahrgästen verschiedenen Geschlechts in den Schritt – oder muss man sagen: “in die Schritte”? Sie wollte wohl nicht die Katze im Sack kaufen. Die Sache eskalierte, als ein ebenfalls angetrunkener und von der Dame befasster Fahrgast zum Schuss kam – er zog seine Schreckschusspistole und schoss in die Luft. Jetzt haben beide die Polizei am Hals, die das zu einer Pressemitteilung u. a. mit dem schönen Satz
Einem Mann fasste sie ans bedeckte Geschlechtsteil.
ausschmückte. In der Online-Ausgabe der LVZ steht nicht viel mehr, dort wird aus dem “bedeckten Geschlechtsteil” noch bedeckter und gefasster der “Schritt”:
Einem 59-Jährigen fasste sie in den Schritt.
In der gedruckten Ausgabe wurde jedoch kein Schritt und kein Wortspiel ausgelassen, und ebenso ausgelassen hörte der schon erwähnte Freundeskreis dieser Sternstunde des Leipziger Lokaljournalismus zu. Danke, LVZ! Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben.
P. S. Ich hoffe, heute die gedruckte Ausgabe noch zu erhalten und den nicht in oder bei Leipzig lebenden Leserinnen und Lesern verfügbar zu machen.
P.P.S. Oma hatte die Printausgabe. Hier ist der Artikel nachzulesen.
P.P.P.S. Oma kommentierte die Angelegenheit so: “Das ist die Gleichberechtigung. Jetzt belästigen sogar Frauen. Früher haben das nur Männer gemacht.”



Ich bitte doch sehr, uns auf dem Laufenden zu halten! Vielleicht gibts ja noch eine Information darüber, ob der Griff sich wenigstens gelohnt hat?
Jetzt ist erst einmal der Quelltext da.
Über die Ergiebigkeit des Zugriffs ist nichts berichtet, nur, dass der Herr ob des Brachialflirts nicht eben humorvoll reagiert hat. Meine Vermutung ist ja: Die Dame ist kurzsichtig und hat ihre Hände gebraucht, um sicherzugehen, dass sie findet, was sie sucht. Dass sie dann an so einen schnell schießenden Pistolero gerät, ist Pech.
Beunruhigend ist auch, dass der Herr überhaupt seine Wumme dabei hat. Vielleicht saß ich auch schon einmal neben ihm. Gut, dass ich die Hände am Buch bzw. am Sudoku-Heft hatte…
Die Knarre wird unser Held wohl abzugeben haben, so dass bei weiteren Zugriffen fraulicherseits nicht mit erneutem Polizeiaufgebot zu rechnen ist. Auch ahnungslose männliche Mitreisende müssen sich vor ruckartigen Bremsmanövern und evtl. darauf folgenden unbeabsichtigten Landungen im Schrittbereich des Gegenübers nicht fürchten, denn sicher wird der schreckhafte Herr für eine Weile unter Verschluss gehalten. Es scheint ja was Grundlegendes nicht in Ordnung zu sein mit ihm. Ich meine, welcher Mann fängt an um sich zu schießen, wenn eine Frau ihn … da … berührt. Das hört man doch eher selten bis nie.
Es kommt entschieden darauf an, mit welcher Intensität die Berührung erfolgt…
Allzu beherztes Zupacken würde die Schießwut des Verstörten freilich erklären. Allein, einen solchen Hinweis fand ich in dem Artikel nicht. Vielleicht war er selbst sanften Körperkontakt zwischen den großen Zehen einfach nicht (mehr) gewohnt?
Aha, Lokaljournalismus kann also doch Spaß machen… “Sylvia B. und ihr neuer Bekannter” – lol!