Herbstputzige Liebesbewährungsprobe

Eigentlich wollte ich das Wochenende nutzen, um meiner Begeisterung über die Bundesregierung Ausdruck zu geben, die in ihrer grenzenlosen Güte und unnachahmlichen Kulanz den Hartz-IV-Regelsatz um ganze 5 € erhöht hat, und das pro Person und Monat. Dankesbezeigungen der Beschenkten werden ihr sicher sein im ganzen Land. Nur Seehofer ist schlimmer, dem ist selbst das zu viel.
Beim Schreiben der Suada wollte ich gute Musik aus meiner iTunes-Bibliothek hören – selbstverständlich führt ein Kabel die Wohllaute in die Stereoanlage.
Ich wollte, aber es sollte nicht sein. Meine Liebste, der ich diese Bezeichnung nur aus gewohnter Langmut zubilligen kann, hatte nämlich Herbstputztag. Ein Herbstputz ist eine gute und notwenige Sache, der man sich nicht in den Weg stellen soll und kann. Das gnädige Schicksal wollte, dass ich am fraglichen Putztag gänzlich aushäusig beschäftigt war und nicht im Weg sitzen oder gar zu Hilfsarbeiten herangezogen werden und am Abend in eine geputzte Wohnung zurückkehren konnte. Die Liebste, der ich diese Bezeichnung nur aus gewohnter Langmut zubilligen kann, erzählte von ihrem erfolgreichen Kampf gegen die Luftwurzeln der Monstera, die sich um Klavier und Scheuerleisten gewunden und der Gartenschere fast widerstanden hätten. Diese Erzählung fiel mir ein, als die Stereoanlage keinen Laut aus dem Computer von sich geben wollte, steht doch das Klavier genau dazwischen. Und siehe, nicht alles, was durchtrennt worden war, waren Luftwurzeln der Monstera, nein, das dünne schwarze war das Verbindungskabel, sauber durchschnitten. Man spricht da wohl von einem Kollateralschaden.
Doch damit nicht genug: Nach dem Hausputz hat sich die Liebste, der ich diese Bezeichnung nur aus gewohnter Langmut zubilligen kann, an den gemeinsam genutzten Computer gesetzt, um gemütlich bei einer Weißweinschorle mit Freunden zu kommunizieren. Das hatte sie mir nicht erzählt, schon gar nicht, dass das Glas umgefallen und die Schorle in die Tastatur gelaufen ist. Bemerkt habe ich, dass die Tastaur nicht auf x, c, v, b, n, Komma, Punkt und Leertaste reagierte. Ohne diese aber schreibt es sich schlecht. Jetzt sitze ich und tippe mit dicken Fingern auf der Tastatur meines Smartphones. Immerhin etwas.
Dass der Fernseher seit dem Putztag nur noch acht statt 22 Programme hat, hat nichts mit der maschinenstürmerischen Putzwut der Liebsten, der ich diese Bezeichnung nur aus gewohnter Langmut zubilligen kann, zu tun. Sie schwört, dass sie den Fernseher nicht berührt und nur dahinter saubergemacht hätte.
Für nächste Woche hat sie angedroht, den Kühlschrank gründlich reinigen. Das heißt mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass es dann lauwarmes Bier gibt. Vielleicht bleibe ich dann zu Hause und lenke sie von ihrem Vorhaben ab.
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