So soll das Arbeiten attraktiver und das Nichtarbeiten unattraktiver gemacht werden.
Der Vorschlag krankt nicht nur an einem seltsamen Sinn dafür, wie viel ein Mensch zum Überleben braucht, sondern auch an einem Verständnis von Arbeit, das nur als “realsozialistisch” bezeichnet werden kann: Nach allgemeiner Übereinkunft hat Lohnarbeit den Zweck, dem Lohnarbeiter den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu ermöglichen. Das gehört für den Unternehmer zu den Kosten, die er unter anderem aus der Arbeit des Beschäftigten zu erwirtschaften hat. Der Weise schlägt hingegen vor, dass Lohnkosten künftig noch stärker vom Staat getragen und aus der betrieblichen Kostenrechnung herausgenommen werden. Arbeit wird damit zum Selbstzweck, zur reinen Beschäftigung, und der Sozialleistungsempfänger zum Vieh, das um jeden Preis auf die Beschäftigungsweide getrieben werden muss.
Was der Weise weiß, muss auch sein, wo denn die Jobs sind, in denen sich Hartz-IV-Empfänger etwas hinzuverdienen können. So viele Supermarktkasseneinpackstände gibt es in Deutschland gar nicht. Und selbst wenn die Hinzuverdienenden Sinnlosjobs für einen Euro pro Stunde in öffentlichen Verkehrsmitteln und Parks ausführen, ist es finanziell auch nur aus einer Tasche in die andere verschoben: Zahlen muss die öffentliche Hand, egal, ob Bund, Land oder Kommune, für den Steuerzahler ist es eins.Derartige Beschäftigungsmodelle hatten wir schon einmal, das hieß “real existierender Sozialismus”. Der ist aber auch wirtschaftlich nicht allzu glänzend ausgegangen, und seine postsozialistischen Neuauflagen sind zum Glück, aber unter erheblicher Mitnahme öffentlicher Gelder versandet.
Des Weisen Vorschlag riecht nicht nur nach Sozialismus, er stinkt zum Himmel. Und es werden sich gewiss auch bald ein paar Mitstinker finden.






Ich stimme ja bis zu einem gewissen Grad zu. Die Lösung liegt aber eher dort, die Grundeinkommen für einen 5Tage und 8Stunden – Job müssen angehoben werden. Da ist mir der Unterschied zu Hartz IV zu gering. Es muss sich wieder lohnen Vollzeit zu arbeiten, weil man und frau damit die Familie am Leben erhält. Ich fahre pro Tag 150 km und verdiene 1.500. Das haut gerade so hin, aber nur weil meine Frau was dazu verdient. Für eine dreiköpfige Familie, die versucht eine ETW zu bezahlen (fürs Alter) ist das nicht der Knaller. Im Hartz IV-Rechner kriege ich gerade mal 200 Euro weniger vom Staat. Das ist das Spritgeld für die 3,000 lm im Monat. Also zu Hause bleiben und Umwelt schonen? (+ mehr Zeit zum bloggen…) Viele Grüße, Stephan
Genau das ist das Problem: Arbeit muss sich lohnen. Und weil es aus der Arbeit nur ein kleiner Schritt bis in die Armut alias Hartz IV ist, traut sich keiner zu mucken und mehr Geld zu verlangen.
Man muß nun wirklich kein Fan des Realexistierendensozialismus made in GDR sein, um einen grundsätzlichen Unterschied festzustellen: Der Anspruch der dortigen gesamtgesellschaftlichen Beschäftigungstherapie bestand immerhin darin, jedem sein Auskommen zu sichern. Das mag der Grund sein, warum es volkswirtschaftlich betrachtet nicht funktioniert hat. Die Beschäftigungstherapie Marke Hartz funktioniert hingegen deswegen, weil die permanente Armutsdrohung an die Noch-regulär-Beschäftigten volkswirtschaftlich sinnvoll ist.
Den volkswirtschaftlichen Sinn wage ich zu bestreiten.
Abgesehen davon würde ich die DDR lieber als voll beschäftigende Gesellschaftstherapie bezeichnen. Es kann auch gut sein, dass die Vollbeschäftigung nicht Anspruch der Partei, sondern Folge der schwachen Wirtschaftskraft war.
Übrigens gab es in der DDR Arbeitszwang, wer nicht arbeitete, wurde als “Asozialer” bestraft. Deshalb gab es in der DDR u. a. keine Obdachlosen und Bettler. Die waren im Knast.
Anreiz zur Arbeit, ein blanker Hohn, wer bekommt denn hier Arbeit, vielleicht ein 60jähriger? Wer wirklich im real existierenden Sozialismus wegen Verfolgung arbeitslos war, bekam absolut keine Unterstützung, den liess man aushungern!!!!! Was für eine Verblödung sich manchmal hier im Internet breitmacht! Welche n Alliierten will man denn damit einen Gefallen tun? Es ist erstaunlich, wieviele vom Westen die DDR geliebt haben!