Blauer Brief vom Bayerischen Münzkontor

Oma hat irgendwann einmal in einem Anfall von irgendetwas einen Münzsatz beim Bayerischen Münzkontor bestellt. Es war ein Geschenk, und es kam gut an. Nicht so gut kam an, dass das Bayerische Münzkontor die Bestellung als Blankoscheck verstanden hatte und Oma dann gleich ein paar Pakete mit Münzen schickte. Als Bonbon kam auch einmal eine Rechnung für gar keine Sendung. Es bedurfte mehrerer Briefe und Anrufe, um diesen Schlag ins Kontor abzuwehren. Jetzt kommen nur noch jede Woche Werbebriefe.

Gestern zum Beispiel dieser:

MünzkontorDer erste Eindruck ist: Achtung, amtlich! Der zweite Eindruck ist: Achtung, blöde! Oben links steht: Münzkontor 1 “Zugestellt siehe Datum des Poststempels”, obwohl es überhaupt keinen Poststempel gibt. Dann steht da: Münzkontor 2 “Auswahl-Bescheid”, was eine ganz unbescheidene Begriffsauswahl ist, die auf eher bescheidene Gemüter zielt. Und auch beim Bayerischen Münzkontor weiß man wohl nicht genau, was man will. Auf dem Umschlag steht noch: Münzkontor 3 “Falls Empfänger verzogen, nachsenden.” und im Umschlagfenster das glatte Gegenteil: Münzkontor 4 “Wenn unzustellbar, zurück!” Ich möchte nicht in der Haut des Postboten stecken.

Der Brief selbst gibt sich ebenso amtlich, im Überformat wird Oma mitgeteilt, dass sie zu den wenigen Auserwählten gehört, für die, wenn sie nur schnell bestellen, ein (leider ungeweihter) Euro-Münzsatz aus dem Vatikan mit Papst Benedikts polierter Platte drauf für nur 9,95 € drin ist. Wenn sie nicht ruckzuck bestellt, kann der “Auswahl-Bescheid aufgehoben” und “an andere Bürgerinnen und Bürger” weitergegeben werden. Beim Vorlesen kamen uns die Tränen vor Lachen. So spendet das Bayerische Münzkontor immer wieder Freude.

Da es das immer wieder tut, und nicht mit der Absicht, Freude zu spenden, scheint es doch genügend Empfänger zu geben, die auf solchen Schwachsinn hereinfallen.

Münzkontor 5

Screenshot Bayerisches Münzkontor http://www.muenzkontor.de

Ein Blick auf die Webseite des Bayerischen Münzkontors zeigt, wie es funktioniert. Gerade wird eine Medaille angeboten, “Aufwendig mit reinstem Gold und Silber veredelt”, versteht sich, die die Wiederwahl von Angela Merkel versilbert. Das Größte: Die Kanzlerinmünze gibt es “mit Original-Unterschrift der Kanzlerin”. Unglaublich, und das für nur 10 € statt später 47,80 €! Zuzüglich Versand (4,80) und, wesentlich teurer, dem Kleingedruckten, das zwar in großen Lettern, aber in ähnlich dem blauen Brief vernebelndem Deutsch geschrieben ist:

Alle Produkte werden mit einem Zertifikat geliefert, das Ihnen Echtheit, Qualität und eine strenge Limitierung garantiert. Sammeln Sie bei uns eine Komplett-Edition, erhalten Sie alle Produkte dieser Edition zum Vorzugspreis, außerdem eine Besitzurkunde und hochwertige Aufbewahrungen.

Das heißt im Klartext: Wer eine Münze bestellt, kriegt sie alle. Der Trick liegt im Begriff: Eine Münze ist keine Münze, sondern eine Edition. Wie groß die Edition ist, steht in den Sternen, und ins Astronomische dürften auch die tatsächlichen Kosten steigen. Vom eher ideellen Wert der Zertifikate, der Besitzurkunde samt Aufbewahrungen wollen wir ganz schweigen.

Unterschrift Angela MerkelAch ja, die Unterschrift der Bundeskanzlerin sieht anderswo auch ganz anders aus:

Da werfen wir Omas Geld doch lieber zum Fenster hinaus.

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