Monatsarchiv: September 2009

Omas privatisieren

Grottenschlechte Plakate schreien nach Verbesserung. Wie zum Beispiel dieses:

Der Spruch ist ja schon doof genug: "Gemeinsam können wir viel bewegen." Das klingt wie Werbung für eine Spedition oder als ölige Off-Stimme im Werbespot einer Bausparkasse. Omas sind aber eine

Der Spruch, mit dem Herr Tiefensee in seinem Wahlkreis nicht gewonnen hat, ist ja schon doof genug: “Gemeinsam können wir viel bewegen.” Das klingt wie Werbung für eine Schüttgutspedition oder die ölige Off-Stimme im Werbespot einer Bausparkasse und reißt keine Oma mehr vom Sessel direkt zur Wahlurne. Alle professionellen Wahlbeobachter werden das bestätigen. Die Omaprivatisierungidee ist gut, aber: Omas sind schon privat. Oder, schärfer: Meine Oma gehört mir!

Marktforscher im Bett

Woran erkennt man einen Markt- und Meinungsforscher im Bett?

Er fragt danach: “Wie war ich und wie zufrieden bist du? Antworte bitte mit ‘vollkommen zufrieden’, ‘sehr zufrieden’, ‘zufrieden’, ‘weniger zufrieden’ oder ‘unzufrieden’!”

Wenn darauf statt einer Antwort Schweigen folgt, murmelt er:  ”Keine Angabe/Betrifft mich nicht.”

Im Trend: Wahlergebnisse vorab

Interessierte Bremer konnten am gestrigen Bundestagswahlsonntag schon vor Schließung der Wahllokale die (fiktiven) Wahlergebnisse ansehen.

In Bremen hat es am Wahltag offenbar eine Online-Panne gegeben. Auf der Website des Landeswahlleiters waren genaue Prozentzahlen abrufbar – um 15 Uhr, während die Abstimmung lief. (SpOn)

So viel, oder so wenig zur Gefahr des Vorabtwitterns von Wahlumfrageergebnissen. Und: In Leipzig hatten wir das schon, zur Kommunalwahl im Juni. Da standen die (fiktiven) Ergebnisse schon mindestens drei Tage vorher im Netz. Das müssen uns die Bremer erst einmal nachmachen!

Die Patentlösung ist eine Frau

Als gemeiner unentschlossener Wechselwähler hat man es bei dieser Bundestagswahl nicht leicht. Irgendwie scheint sowieso die Kanzlerin zu gewinnen, der einzige Widerstand dagegen kommt aus der CSU, und nur um den Platz des Juniorpartners gibt es noch ein Rennen. Und ob SPD oder FDP den Zieleinlauf gewinnen werden, wird kaum einen Unterschied machen. Der unentschlossene Wechselwähler wartet also auf den entscheidenden Impuls. Wie gut, wenn dann am Straßenrand großlettrig steht:

Wir haben die Patentlösung.

Wow, denkt sich der Unentschlossene. Endlich! Das will ich genauer wissen! Zwei Masten und ein Plakat weiter prangt es wieder gleich großlettrig und -spurig:

Wir haben die Patentlösung.

Helga Zepp-LaRouche.

Aha. Die Patentlösung ist also eine Frau. Das war unerwartet. Das ist plakativ. Das ist Wahlwerbung, die hängen bleibt, samt Bindestrichnamen. Das ist so herrlich wie dämlich. Das einzig Bedenkliche ist, dass die das wahrscheinlich vollkommen ernst meinen. Und sich wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden.

Leider ist die Frage nach der richtigen Wahl damit noch nicht gelöst.

Grüne Kernkompetenz

Was kostet die grüne Kernkompetenz? Joschka Fischer sagt es nicht, wieviel RWE springen lässt, damit der Ex-Antiatomaktivist und heutige RWE-Lobbyist im Nabucco-Chor singt. “Nur noch dem Finanzamt” müsste er es offenbaren, tönt der Ex-Außenminister den neugierigen Reportern ins Mikro. Die paar Nörgler wegen eventuell nicht ganz eingehaltener Menschenrechte in den Energielieferstaaten wird er auch noch verstummen lassen. RWE, das sind jetzt die Grünen, die Guten, denn das Gute ist da, wo Joschka Fischer ist. Koste es, was es wolle: Gewissensbisse sind beim Vorzeigemarschierer durch die Institutionen nicht zu erwarten. Tote Hunde beißen nicht.

Demnächst in diesem Theater: Ein Bischof i. R. macht PR für Beate Uhse. Oder so. Bis heute hätte ich das auch nicht geglaubt.

Mittagstalkshowgucker Westerwelle

Es gibt die Wirklichkeit, und es gibt die mediale Darstellung der Wirklichkeit. Und dann gibt es noch Daily Soaps und Shows am Mittag. Letztere haben mit der zweiten wenig und der ersten fast gar nichts zu tun. Aus den Talkshows bezieht aber offenbar der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle seine Weltsicht. In einem Interview mit der „Saarbrücker Zeitung“ sagt er erst gelassen über sich:

Man wird eben älter und gelassener.

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