Gestern bei Oma. Das Telefon klingelt. Oma hat so ein Telefon für Schwerhörige, das das Fernmeldegeheimnis praktisch ad absurdum führt. Wenn Oma telefoniert, ist es für sich etwa in der Wohnung befindliche Familienangehörige ähnlich wie an Kreuzungen neben gewissen tiefer gelegten Autos, deren junge Fahrer die Beifahrerscheibe öffnen müssen, damit ihnen der Schalldruck ihrer Bassrolle nicht das Resttrommelfell zerreißt. Der Trost des gequälten Radfahrers oder Anwohners ist, dass diese jungen Männer, wenn sie sich nicht verdientermaßen vorher auf dem Heimweg von der Disko um einen Baum gewickelt haben, mit 35 auch beim Hörgeräteakustiker ein Telefon wie Omas kaufen werden. Ich halte den Hörer also auf Armlänge. Mehr geht nicht. Am Apparat ist eine Frau von Infas, die mich nicht versteht. Das Monster von Telefon verstärkt nur in eine Richtung. Ich fasse also Mut, führe den Hörer an den Kopf und frage nach ihrem Begehr. „Ich hätte gern die Person aus dem Haushalt gesprochen, die als nächste Geburtstag hat und im Alter von 18 bis 64 ist.“ Da konnte ich ihr wirklich nicht helfen. Oma ist mehr als beides zusammen. Und dann hört sie trotz Superbassrolle im Telefon so schwer, dass die Umfrage sicher keine Freude geworden wäre für die Dame von Infas. Sie sollte mir also dankbar sein. Ich telefoniere regelmäßig mit Oma und weiß, wovon ich rede. Omas Nachbarn vermutlich auch.
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