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Neues aus dem OKW

20. November 2008 · Kommentar schreiben

Eigentlich sollte dieser Artikel die Überschrift tragen: “Non scholae, sed PISAe discimus”, aber die Steilvorlage des Herrn Kubicki war nicht ungenutzt zu lassen. Dieser Herr Kubicki (”L’éclat, c’est moi.” – Bildunterschrift bei SpOn) hat den täglichen Frontbericht noch so präsent im Ohr, dass er sich durch die Euphemismen der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin gleich an die letzten Kriegstage erinnert fühlte. Der liberale Veteran ist Jahrgang 1952 und damit eher zu den Langzeitopfern der Wehrmachtspropaganda durch den Volksempfänger zu rechnen. Allerdings führt der postbellale Tinnitus zu Zweifeln an der weiteren Berufsfähigkeit des Fraktionsvorsitzenden der FDP im Landtag.

Es mutet schon etwas seltsam an, was sich dieser Tage so hören und lesen lässt, nachdem die Ergebnisse von PISA-E öffentlich wurden. Auf eine einfache Formel gebracht, lässt es sich unterteilen in:

A: Wir sehen uns darin bestätigt, erstens schon immer das Richtige und zweitens in den letzten Jahren das immer Richtigere getan zu haben und werden es drittens immer richtiger weiter tun.

Das sagt, wer entweder auf einem vorderen Platz in der innerdeutschen Schulbildungshackordnung gelandet oder wenigstens besser als beim letzten Mal abgeschnitten hat oder nicht auf dem letzten Platz sitzen geblieben ist. Hauptsache, man kann es als eigenen Erfolg verbuchen, weil man an der Regierung beteiligt ist. Aber auch die Letztplatzierten finden im Schlimmen noch Gutes, und wenn es zwei Schüler sind, die rechnen und schreiben können, nein, zwei Fächer, in denen nur schlecht und nicht grottenschlecht abgeschnitten wurde. So wird in Bremen argumentiert.

B: Wir sehen uns darin bestätigt, es erstens schon immer besser gewusst und zweitens in den letzten Jahren immer gefordert zu haben und werden es immer besser machen, wenn man uns endlich lässt.

Das sagt, wer in der Opposition sitzt und am Erfolg oder Misserfolg aktuell nicht beteiligt ist. Eventuelle vergangene Regierungsbeteiligungen werden getrost vergessen. In Varianten kann man die eine oder andere Partei oder Person angreifen, ganz nach Gusto. Der übliche Parteienkram, bei dem nichts unbedachter bleibt als das, worum es eigentlich gehen sollte: Die Schüler.

Es lässt sich nicht leugnen, dass sich in deutschen Schulen in den Jahren seit dem PISA-Schock tatsächlich ewas getan hat. Es ist kein frischer Wind, der da weht, aber doch ein laues Lüftchen, das Jahrzehnte ruhenden Staub sachte aufwirbelt. Die eine oder andere Idee, die in der Regel aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts stammt, wird schon aufgegriffen und in den Schulalltag implantiert, auch wenn sie dort oft wie ein Fremdkörper wirkt. Die deutsche Schule zeigt sich lernfähig, nicht als Musterschüler, eher wie ein Spätzünder, der im dritten Nachschlagsjahr das Klassenziel doch noch erreicht. Aber Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut, und der Amtsschimmel mahlt langsam. Auch die Lehrer, die die Neuerungen umsetzen könnten, sind zum Teil noch Studenten. Die Lehrer an den Schulen zeigen sich eher stark in der Bewahrung dessen, was schon immer so war. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer Schule, die lebensstark macht. Im Moment drängt sich der Eindruck auf, PISA ist wichtiger. Das lässt sich messen, da kann man sich mit seinem Nachbarn messen, Punktangaben sind auch einfachen Geistern fassbar. Ob Bildung überhaupt sinnvoll messbar ist oder ob die gelehrten Inhalte lebenstauglich machen, ist noch nicht zum Gegenstand der Betrachtung geworden. Auch was methodisch an den pädagogischen Fakultäten Gemeingut ist, hat den Weg ins praktische Lehramt nicht unbedingt gefunden.

In Sachsen freut man sich zum Beispiel königlich über den ersten Platz. Gleichzeitig gibt es in Sachsen noch mindestens eine Grundschule, in der noch 2007 die Sitzpause gepflegt wurde. Das heißt, die Kinder müssen in der kleinen Pause am Platz sitzen bleiben. Das ist ein extremes, kaum zu glaubendes Beispiel, dass dem Autor aber aus zuverlässiger Quelle berichtet wurde.

Ein deutliches Symptom für den Vertrauensverlust der staatlichen Schule bleibt der seit Jahren anhaltende Boom der Privat- und Alternativschulen. Diesen oft knapp am finanziellen Ruin und unter erheblichem Einsatz an Ehrenamt und prekärer Bezahlung geführten Schulen trauen die Eltern mehr zu als den etablierten Staatsschulen, in denen nicht nur der schulübliche Mief von Turnbeuteln und Brotbüchsen herrscht, sondern noch der aus jahrzehntelanger Ignoranz.

Danke, setzen.

Kategorien: Bildung · Nachrichten · Schule
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