Wikipedia.de verbieten. Einer tut es.

Wenn man auf wikipedia.de geht, findet man diesen Text:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Der Wikimedia Deutschland e.V. ist nicht Anbieter der unter de.wikipedia.org zugänglich gemachten “Wikipedia” und hat auch keinen Einfluss auf die in der Online-Enzyklopädie abrufbaren Inhalte. Der Wikimedia Deutschland e.V. ist vielmehr ein gemeinnütziger Verein zur Förderung Freien Wissens, der lediglich über die Anwendung der Wikipedia aufklärt. Betreiber der Enzyklopädie ist die in der Anbieterkennzeichnung der Enzyklopädie genannte Wikimedia Foundation, eine in Florida, Vereinigte Staaten, inkorporierte Stiftung mit Sitz in San Francisco.

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Das ist ja ein ganz netter Zeitgenosse. Wikipedia verbieten! Aber hallo! Wann und wo leben wir denn? Und das scheinen die inkriminierten “bestimmten Äußerungen” zu sein:

Lutz Heilmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Lutz Eberhard Heilmann (* 7. September 1966 in Zittau) ist ein deutscher Politiker (Die Linke). Heilmann ist der erste ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, der in den Bundestag eingezogen ist.[1]

Leben und Beruf

Nach dem Abitur 1985 an der EOS Zittau leistete Heilmann einen freiwillig von 18 Monate auf drei Jahre verlängerten Wehrdienst beim Ministerium für Staatssicherheit ab. Anschließend wurde Heilmann hauptamtlicher Mitarbeiter der dortigen Hauptabteilung Personenschutz. Heilmann wurde nach eigenen Angaben nur im Objektschutz staatlicher Einrichtungen eingesetzt. Im Oktober 1989 soll Heilmann nach eigenen Angaben ein Entlassungsgesuch eingereicht haben. Tatsächlich schied er erst im Januar 1990 aus dem Ministerium für Staatssicherheit aus, als dieses aufgelöst wurde.

1991 begann Heilmann ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Zittau. Ab 1992 absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft an der FU Berlin und der Christian-Albrechts-Universität Kiel, welches er 2005 nach dem ersten juristischen Staatsexamen unterbrach, weil er in den Bundestag einzog. 2005 war er Rechtsreferendar in Lübeck.

Seit etwa 2006 lebt Heilmann bekennend schwul. Er gründete 2007 die Landesarbeitsgemeinschaft queer, eine Gruppe für Schwule, Lesben und transidentische Personen innerhalb der Linken in Schleswig-Holstein und engagierte sich auf Christopher-Street-Day-Veranstaltungen in verschiedenen Städten.

Politisches Wirken

Heilmann wurde 1986 Mitglied der SED. Nachdem er 1992 deren Nachfolgepartei PDS verlassen hatte, wurde er 2000 erneut PDS-Mitglied.[2] Von 2000 bis 2002 gehörte er dem Vorstand des PDS-Kreisverbandes Nordwestmecklenburg an.[3] 2004 baute Heilmann in Mecklenburg-Vorpommern eine ['solid]-Gruppe auf.

Seit 2005 ist Lutz Heilmann Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist als einziger Kandidat der Linken über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Bundestag eingezogen

Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit

Im Oktober 2005 enthüllte Der Spiegel die von Heilmann bislang verschwiegene Stasi-Vergangenheit. Heilmann gibt bis heute öffentlich an, von 1985 bis 1990 einen „verlängerte[n] Wehrdienst (Personenschutz MfS)“ geleistet zu haben.[2] Heilmann war nach Ableisten der allgemeinen Wehrpflicht von 18 Monaten für die Zeit bis 1990 als Berufssoldat beim MfS beschäftigt und verließ dieses erst, als es aufgelöst wurde.[4]

Vor der Wahl hatte Heilmann den Mitgliedern des Landesverbandes seine Tätigkeit beim MfS verschwiegen. Dies stellte einen Verstoß gegen innerparteiliche Richtlinien dar. Auf dem Landesparteitag am 4. Dezember 2005 stimmten die Mitglieder des Landesverbandes Schleswig-Holstein über einen Misstrauensantrag gegen Heilmann ab. Das Ergebnis war 47 Stimmen für Heilmann zu 42 gegen ihn.[4] Heilmann ist seitdem innerhalb der Linken in Schleswig-Holstein umstritten.[5]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Linkspartei-Mann arbeitete für die Stasi. In: Spiegel Online. 8. Oktober 2005. Abgerufen am 15. November 2008.
  2. a b Lutz Heilmann, DIE LINKE.. In: Deutscher Bundestag. Abgerufen am 15. November 2008.
  3. Lutz Heilmann. In: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag. Abgerufen am 15. November 2008. (Profil von Lutz Heilmann)
  4. a b Björn Hengst und Gunther Latsch: Ein Stasi-Mann spaltet die Linkspartei. In: Spiegel Online. 4. Dezember 2005. Abgerufen am 15. November 2008.
  5. Tiefer Riss geht durch den Landesverband. In: http://www.LN-online.de. 20. September 2008. Abgerufen am 15. November 2008.

Dass man mal Solidarität mit Wikipedia.de zeigen muss, und das 19 Jahre nach dem Mauerfall, verwundert schon ein bisschen. Auf jeden Fall hat Herr Heilmann seinen Ruf mit dieser Aktion ein bisschen ramponiert. Jetzt ist er nicht mehr umstritten, jetzt ist er unumstritten: Ein Zensor. Nur funktioniert das im Internet nicht so gut. Nachher steht das noch ganz woanders.

via princo

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4 Antworten zu Wikipedia.de verbieten. Einer tut es.

  1. Dabei gings bei dem ganzen Skandal doch gar nicht um seine MfS-Mitarbeit. Sondern um irgendeinen Secshopverband, dem er angehören sollte!

    Und dies wurde, trotz mehrmaliger Rückstellungen des Artikels immer wieder von verschiedenen Usern neu eingestellt!

    Aber eigentlich hätte er, wenn er es richtig hätte machen wollen, gleich auch noch die .org-Domain sperren lassen sollen. Nun steht er als Zensor da, der er nicht ist!

    Ein verrücktes Land, das!

  2. Ganz nach der Methode: Bekannt werden, ohne sich Freunde zu machen.

  3. Pingback: Noch mal zu Herrn Heilmann « Carls Weblog. Jetzt noch mehr Katzenbilder!

  4. Das ist ja mal interessant. Wusste gar nicht, dass das so einfach geht. Aber in Deutschland ist alles möglich…

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