Erneut am Automaten geseufzt

Der Pfandflaschenautomat im Supermarkt meines Vertrauens um die Ecke entlockte mir unlängst erst einen Stoßseufzer. Heute schon wieder. Vielleicht sollte ich ein Themenblog aufmachen: Beim Warten auf den Bon gebloggt. Gibt es noch nicht, bietet aber viel Stoff.

Da fehlt nur der W-LAN-Zugang im Supermarkt. Ich muss mich kurz fassen, denn meine Mittagspause ist begrenzt. Trotzdem hatte ich die Idee, Zeit zu sparen und zum kurzen Einkauf einen Beutel voll geleerter Flaschen der von mir aus schon beschriebenen Gründen bevorzugten Marke Březňák dem Mehrwegkreislauf zurückzuführen. Was ich nicht ahnte, war, dass vor mir eine attraktive junge Frau den Gedanken auch schon hatte, allerdings in anderen Dimensionen ausführte: Zwei Müllsäcke, gefühlte Füllmenge je 100 l, jeweils gefüllt mit PET-Leergut der Mehr- oder Einwegvariante. Gegenwert: 25 €. Und natürlich nicht auf einen Bon gedruckt, denn justament während dieser Transaktion ertönte ein unangenehmes Geräusch und der Hinweis auf dem Display erschien: “Behälter voll, Personal rufen!” Das andere unangenehm ertönende Geräusch waren die knirschenden Zähne der übrigen Wartenden. Innerhalb weniger Minuten, mehr, als es mich kostet, diesen Artikel zu schreiben und viel mehr, als Sie, ihn zu lesen, war das Personal an der Arbeit und die Altejunge Frau konnte die inzwischen auf eine gefühlte Füllmenge von jeweils 200 l gewachsenen Müllsäcke weiter leeren.

Die Ungeduld wächst.

Die Ungeduld wächst.

Lustig war es, dem Laserstrahl zuzusehen, wie er über die hüpfenden kleinen Flaschen verschiedener Färbung wanderte, von denen hin und wieder eine zurückgewiesen wurde, die die alte Schlampejunge Frau mit stoischer Ruhe jedoch erneut dem Automaten zuführte. Als der erste Müllsack, gefühltes Volumen 250 l, sich als leer erwies, tauchte hinter dem zweiten, der ungefähr ein gefühltes Volumen von 300 l hatte, tatsächlich noch eine Aldi-Tüte voll mit weiteren leeren Flaschen auf! Wie hat die blöde Tussijunge Frau das nur alles tragen können, fragte ich mich. Und wo hat sie das alles aufbewahrt bis jetzt? Wer hat so große Wohnungen? Ist es nicht günstiger, Bargeld zu horten? Selbst in Münzen! Tritt eine Partei zur Wahl an, die Leergutautomaten verbieten will?

wikipedia

Hier verschwindet sie. Bild: wikipedia

Oder muss ich die erst gründen? Warum liest man allenthalben, dass Verbrecher mit Geldautomaten davonziehen, aber nie davon, dass einer mal mit einem Pfandautomaten als Beute entwischt? Dem würde ich das Entwischen sogar gönnen. Er dürfte dann auch mit “Ton Steine Scherben” singen: “Lass uns das Ding drehen!” Das dürfte dann sogar im Supermarkt laufen, obwohl ich sonst solcher Berieselung eher abgeneigt bin. Klar wurde mir allerdings in den Stundender Zeit des Wartens, warum der Pfandautomat die Typenbezeichnung T-701 trägt: T steht für Zeit, 701 für die Anzahl der Stunden, die er dem Durchschnittskonsumentenleben raubt. Vielleicht ist es auch eine Einheit für den Zahnabrieb. Wer weiß. Endlich, endlich war sie fertig, die dumme Putejunge Frau, ergriff ihren zweiten Bon und ihre 350-l-Müllsäcke. Und niemand, niemand hatte ein Lächeln für sie. Wen wundert es. Ich warf meine leeren Flaschen ein, verzichtete auf den Einkauf und ging gleich zur Kasse, düstere Dinge im Sinn. Zum Beispiel eine Woodoo-Puppe in Gestalt eines Pfandflaschenrücknahmeautomaten zu basteln. Ich gehe gleich Nadeln kaufen. En gros. Aber die Mittagspause ist jetzt leider zu Ende. Beim nächsten Mal dann sicher.

P.S. Es gibt sogar kriminelle Pfandflaschenfälscher, wie hier berichtet wird. Vielleicht war ich Zeuge eines Verbrechens? Andererseits sahen die Flaschen doch zu ausgetrunken aus.

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