Putin am Morgen

Heute, um 06:20, wurde das ARD-Interview mit dem russischen Ministerpräsidenten, das bisher nur in gekürzter Form gesendet worden war, in voller Länge vom WDR ausgestrahlt. Die Kürzungen hatten in der Blogosphäre einigen Staub aufgewirbelt, man sprach von Serverausfällen beim ARD-Blog. Ach ja, von Zensur war auch die Rede, von Staatsfunk und Gebührenverweigerung als Quasibürgerpflicht. In sehr bösen Tönen wurde da kommentiert und mit großen Unterschieden in der Sachkunde. Lesestoff für einige Tage. Geschenkt.

Aufgestanden wäre ich, um mit Fritz Teufel zu reden, nur, wenn es der Wahrheitsfindung gedient hätte. Doch darüber hegte ich argen Zweifel. Statt dessen wünschte ich mir einen guten Morgen ohne Fernsehen und bekam ihn. Lieber eine leichte Zigarette als allzu starken Tobak. Erstaunlich ist, dass die Verfechter der Zensurtheorie das russische Fernsehen (Jetzt hätte ich beinahe Staatsfernsehen geschrieben.) als Quelle akzeptieren. Das russische Fernsehen hatte das Interview nämlich auch gesendet, nur mit anderem Akzent. Und natürlich auch geschnitten. Wer möchte schon das Kompliment des Interviewten für das fast perfekte Russisch des Interviewers hören? Obwohl das zu den glaubwürdigen Passagen gehörte. Und, eines muss man Putin lassen, auch wenn man ihn nicht mögen muss: Er schießt nicht nur schnell und genau, sondern beherrscht auch den Umgang mit der Presse. Daheim sowieso, anders halt, aber auch mit potentiell unbotmäßigen westlichen Journalisten. Und die kriegen ihr Fett dann noch zuhause weg.

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