“Es gibt nur ein Wort, um dieses Wimbledon-Finale zu beschreiben: Wahnsinn.”
(FAZ) Dieser Wahnsinn ergriff offenbar sofort die Mehrheit der Sportberichterstatter:
Rafael Nadal. Ringer, Räuber, Revoluzzer. Das ist der Tenor im Chor der Berichterstatter. Er habe “eiskalt und entschlossen” “die Wimbledon-Regentschaft des fünfmaligen Champions Roger Federer brutal beendet”, den er schlussendlich “niederrang”. (Mitteldeutsche Zeitung, FAZ, Focus und viele, viele andere) Damit “entthronte” er den bisherigen Champion (Südostschweiz, FAZ, SZ ) Monarchisch geht es auch bei der Berliner Morgenpost zu: “Nadal stürzt Wimbledons König.” Eine Variante: “Nadal stürzt King Roger vom Thron.” (Blick). Die Mittelbayerische Zeitung erklärt ihn indes zum Räuber. Spiegel-Online behauptet, er hätte “in fünf Sätzen triumphiert”, was natürlich ganz triumphaler Unsinn ist, denn hätte er nur in drei Sätzen in Folge triumphiert, wären die anderen unnötig und der Triumph nicht weniger triumphal gewesen. Zu triumphalen Sätzen schwingt sich nahezu jeder auf, und ich bin versucht, zu schreiben: “triumphalst”, und ich merke, wie die triumphale Verwirrung schon übergreift und empfehle mich mit dem triumphalsten Satz des Tages, noch einmal von Blick:
“Mit unbändigem Siegeswillen und kühl bis ans Herz hat der spanische Eroberer Rafael Nadal den fünfmaligen Champion Roger Federer entthront.”
P. S. Die Geschichte des Turmbaus zu Babylon (Gen 11, 1-9) muss völlig neu interpretiert werden: Es war nicht die menschliche Hybris, die Gott erzürnt hat, die Ursache war ganz irdisch: Man hatte Sportreporter als Poliere eingesetzt. Das konnte nicht anders ausgehen.



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