Focus: Schergen bringen Glück

Focus.de hat Deutschland zum Schurkenstaat erklärt. Ein eher trockener Bericht über die durch den oft staubigen Einsatz von Außenprüfern (Finanzamtsdeutsch) zusätzlich eingenommenen Steuern wird mit folgender Überschrift gewaltig aufgepeppt:

Betriebsprüfungen

Steuerschnüffler mit Rekordergebnissen

Engagierte Schergen des Finanzamts haben dem deutschen Fiskus im vergangenen Jahr über 16 Milliarden Euro zusätzlich beschert.

Steuerschnüffler – ok. Nicht nett, aber gängig. Aber Schergen, die das Finanzamt engagiert – da stimmt doch was nicht. Die sind doch fest angestellt. Und überhaupt: Was bescheren Schergen? Scherge ist ein schönes altes Wort. Ursprünglich ein Scharführer, später ein Gerichtsdiener. Seit dem 18. Jahrhundert kein Kompliment. Und heute? Ich zitiere mal Wikipedia:

Als Scherge wird im heutigen Sprachgebrauch fast ausschließlich abfällig ein „Henkersknecht“, Büttel, käuflicher Verräter oder generell eine Person, die einem Schurken dienstbar ist und seine Befehle ausführt, bezeichnet.
So kannte ich es auch, das schöne alte Wort. Aber wer ist der Schurke, dem der Scherge dient? Deutschland, ein Schurkenmärchen? Oder Focus, ein Fantasyblatt? Knapp vorbei jedenfalls, aber trotzdem daneben.
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