Glos will Hartz IV nur noch bei Gegenleistung zahlen
berichtet Spiegel-Online. 39 Wochenstunden “Bürgerarbeit”, um Hartz IV zu kriegen, schlägt der Bundeswirtschaftsminister vor. Das hieß früher Sozialismus, später in Leipzig eine Weile “Betrieb für Beschäftigungsförderung” und ist grandios gescheitert. Es ist aber noch gefährlich: Einerseits werden Arbeitslose mal wieder als Schmarotzer, Schwarzarbeiter und Bedrohung für die Gesellschaft dargestellt. Damit stellt sich Herr Glos in schlechteste Schrödernachfolge. Andererseits wird mit Arbeit zum Nulltarif weiterer Druck auf den Niedriglohnsektor ausgeübt, Arbeit wird weiter entwertet. Das freut die Wirtschaftsverbände, ist aber nur kurzfristig gut. Denn irgendwer muss die Produkte und Leistungen ja auch noch kaufen können.
Die Bezeichnung “Bürgerarbeit” ist im übrigen so glücklich gewählt wie die Bezeichnung “Volksdemokratie”, also ausschließlich als Augenwischerei geeignet. Der einzige Effekt, der damit vielleicht erreicht werden kann, ist eine Erhöhung der Beschäftigung in dem Sinn, dass
Kein erwerbsloser Arbeitsloser soll Zeit haben, schwarz zu arbeiten oder einfach zu Hause zu bleiben.
Von Arbeit sollte man dabei aber nicht sprechen, von Arbeit, die ihren Mann/ihre Frau ernährt, die einen Nutzen bringt und sich finanziert. So lange solche Arbeitsplätze nicht da sind, ist es absolut kontraproduktiv, vom Druck auf Arbeitslose (rotgründeutsch: “Fördern und Fordern”) auch nur zu reden.
Schwarzarbeit wird im Übrigen nicht nur von Arbeitslosen ausgeübt, sondern auch nach Feierabend. Und sie wird so lange ausgeübt werden, wie sie sich deutlich mehr lohnt als reguläre Arbeit. Und wann ein Arbeitsloser, der 39 Wochenstunden mit “Bürgerarbeit” beschäftigt ist, sich noch um eine Arbeitsstelle bemühen soll, erklärt der Minister auch nicht. Dafür ist er nicht zuständig. Zum Glück.



11 Antworten bis hierher ↓
Wer tötet am Sozialsten? Heute mit der CDU, der FDP und Brigitte Zypries | F!XMBR // 15. Mai 2008 um 6:53 |
[...] Carl sieht eine Schnapsidee: [...]
Schnapsideen aufgewärmt: Arbeit, Beschäftigung und Zwangstätigkeit « Carls Weblog // 18. Mai 2008 um 2:02 |
[...] Mai 2008 · No Comments Herrn Glos‘ Schnapsidee von der Bürgerarbeit ist derzeit, zumindest in der Blogosphäre, den einen oder anderen Beitrag [...]
thewise // 19. Mai 2008 um 3:35 |
Gegen Bürgerarbeit an sich habe ich nichts. Es sollte aber Arbeit sein, die einen Sinn macht und zudem auch nicht in Konkurrenz mit der Realwirtschaft steht. z.B. Verbesserungen in den Gemeinden, für die die Gemeinden kein Geld aufwenden würden, weil es nicht da ist.
Warum sollten die Leute fürs nichtstun bezahlt werden und andere putzen für 3€ die Stunde?
carluv // 20. Mai 2008 um 11:33 |
@thewise: Wann steht sie denn nicht in Konkurrenz zur “Realwirtschaft”? Und wann ist denn Geld da in den Kommunen? Und für 3 € die Stunde putzen ist ja auch nicht gerade Arbeit, die ihren Mann oder ihre Frau ernährt.
Roger Beathacker // 21. Mai 2008 um 1:06 |
Kein erwerbsloser Arbeitsloser soll Zeit haben, schwarz zu arbeiten oder einfach zu Hause zu bleiben.
Da “lobe” ich mir aber unseren Finazsenator
:
“Schwarzarbeit ist schlecht für den Fiskus, dem Steuern verloren gehen. Doch Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat – einmal mehr – eine ganz eigene Meinung zu dem Thema: “Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet“, sagte er am Dienstagabend in der N24-Sendung “Links-Rechts”. Natürlich sei schwarzarbeiten “empörend“. Aber nichts zu tun, sei auch “empörend“ und für den Menschen viel schlimmer.
Wenn jemand, der sonst gar nichts tun würde, “in einer Einfamilienhaussiedlung ein Bad fliest, dann ist immerhin ein Bad entstanden, das ist ein volkswirtschaftlicher Wert“, sagte Sarrazin. Es gebe zwar zwei Steuersünder, dies hätten der Schwarzarbeiter und der Hausbesitzer “vor dem lieben Gott oder dem Finanzamt“ zu verantworten. Positiv sehe er aber, sagte Sarrazin, dass es Umsatz im Baumarkt gegeben habe.
Und der Finanzsenator setzte noch eins drauf: Immerhin sei der Schwarzarbeiter so “an die frische Luft“ gekommen und er “hat wahrscheinlich jetzt drei Tage lang bessere Laune, das wiederum sei gut für Frau und Kinder.“ Sarrazins Fazit: “Arbeit hat immer nur positive Seiten“. ”
http://www.welt.de/morgenpost/article1730106/Jetzt_lobt_Sarrazin_Vorteile_der_Schwarzarbeit_.html
Frage: gehen hier html Tags?
carluv // 25. Mai 2008 um 4:26 |
Herrn Sarrazin finde ich auch oft amüsant. Und er trennt noch zwischen Gott und Finanzamt.
Neiddebatten « Carls Weblog // 31. Mai 2008 um 5:24 |
[...] Mai 2008 · No Comments Dass ausgerechnet Herr Glos, der vor kurzem mit seiner Schnapsidee von der Zwangsbeschäftigung der angeblich faulen oder schwarz arbeitenden Hartz-IV-Empfänger [...]
Neue Thesen » Nie wieder Zwangsarbeit // 30. Juli 2008 um 3:42 |
[...] in ein schlechtes Licht rückt, kann man solche Vorschläge wie den der Zwangsarbeit ähm Bürgerarbeit natürlich leichter durchsetzen. Dabei ist doch bereits das Konzept der [...]
Es greift um sich. « Carls Weblog. Jetzt noch mehr Katzenbilder! // 29. September 2008 um 8:10 |
[...] der eine Ausbildungspflicht einführt. Notfalls im neuen Ausbildungsgang Bürgerarbeiterazubi. Herr Glos, übernehmen [...]
Best of 2008 « Carls Weblog. Jetzt noch mehr Katzenbilder! // 26. Dezember 2008 um 12:29 |
[...] Die Stimme des Jahres ist der Bundeswirtschaftsminister. Er glänzte u. a. mit einer Schnapsidee vom Feinsten: 39 Wochenstunden “Bürgerarbeit” für Hartz IV. Und sorgte indirekt dafür, dass mein kleines Blog ein paar Leser fand. Mehr da. [...]
Ein Jahr. Es läuft. « Carls Weblog. Jetzt noch mehr Katzenbilder! // 6. März 2009 um 6:12 |
[...] Antwort ist: Schreibe einen Artikel, den der Spiegelfechter zitiert, und prompt kommen die Leute. Noch besser: Schreibe gleich [...]