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Babybloggen – aber richtig!

6. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Die Gnade der frühen Geburt, also vor der allgemeinen Verfügbarkeit des Internets als Publikationsmittel für jedermann und -frau, preist obiterdictum in diesem wieder köstlich geschriebenen Artikel. Was die süßen kleinen Fratze noch gar nicht ahnen, ist, was in naher Zukunft alles über sie bekannt sein wird, zur Freude ihrer künftigen Mitschüler, Kollegen und Vorgesetzten. Heute freuen sich nur die Familie, die Freunde, die Gemeinde der ebenfalls babybloggenden Eltern und alle anderen, die Kinder gern haben.

Doch versuchen wir, dem Trend seine positiven Seiten abzugewinnen! Richtig babygebloggt, können vorausschauende Eltern viel für die Zukunft ihres Kindes tun. Die 10 wichtigsten Tipps: Überlassen Sie nichts dem Zufall!

  1. Vorausschauende Familienplanung von Anfang an: Wenn Sie sich Ihren Partner/Ihre Partnerin aussuchen, klären Sie manche Dinge besser gleich: Wer stillt, wer wickelt, wer kocht, wer putzt, wer bloggt und wer macht den ganzen technischen Kram? Hier kann ein offenes Wort zur rechten Zeit manchen Zwist gar nicht erst aufkommen lassen. Erwerben Sie jetzt grundlegende Videokenntnisse!
  2. Wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin den Kinderwunsch an Sie heranträgt, ist es Zeit, sich mit der Namenswahl zu beschäftigen. Gleichzeitig sollten Sie überlegen, ob dieser Name bei dem von Ihnen bevorzugten Bloganbieter noch frei ist. Susanne223.wordpress.com ist zwar noch zu haben, klingt aber nach 223. Wahl. Das wollen Sie doch nicht für Ihr Kind, oder? Seien Sie originell, seien Sie mutig! Kombinieren Sie ungewöhnliche Namen und erhöhen damit die Chance auf erstklassige Domainnamen.
  3. Registrieren Sie in Frage kommende Domains spätestens bei erfolgreichem Schwangerschaftstest! Auch eine First-Level-Domain ist eine Überlegung wert: Wünschen Sie Ihrem Kind eine erfolgreiche TV-Karriere? Dann registrieren Sie jetzt www.hermione-norma-anais.tv! Und, falls es ein Junge wird, der eine europäische Beamtenlaufbahn vor sich hat, ist www.kevin-marvin-meier.eu eine gute Wahl.  Eine nicht gebrauchte Domain ist immer noch bei einem eventuellen Zweitkind verwertbar.
  4. Fotografieren Sie jeden potentiellen Ort der Zeugung. Ihre künftigen Blogleser werden es Ihnen danken, wirklich alles zu wissen. Fotografieren Sie den Teststreifen! Das ist ein Dokument Ihrer Fruchtbarkeit, das Ihre künftigen Leser zu sehen ein Recht haben. Um das erste Ultraschallbild direkt aus der Praxis zu bloggen, fragen Sie einfach Ihren Arzt! Die allermeisten Praxen haben heute einen Internetzugang. Seien Sie nicht kleinlich, verlangen Sie regelmäßige Ultraschallaufnahmen! Wozu bezahlen Sie Krankenversicherung? Alternativ, aber nur für technisch Versierte ist dieses Angebot.
  5. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Ihre Inhalte online zu stellen. Machen Sie Tonaufnahmen bei allen wichtigen Gesprächen! Der Einkauf der Babyausstattung, der Aufbau des Bettchens ist keine Privatangelegenheit – filmen Sie ihn! Eine kompakte, leistungsfähige digitale Videokamera mit entspechendem Zubehör sollte im Bereich des finanziell Möglichen liegen, nachdem Sie sich für ein Kind entschieden haben.
  6. Wo wollen Sie Ihr Kind zur Welt bringen? Bietet die Klinik die technischen Möglichkeiten und ist das Personal tolerant genug, um den Wünschen des filmenden werdenden Vaters nachzukommen, die Szene richtig auszuleuchten und im entscheidenden Moment aus dem Bild zu gehen? Dinge, die Sie nicht erst im letzten Moment klären sollten! Auch sollte sicher gestellt sein, dass für den Fall, dass dem werdenden Vater schlecht wird oder der Mutter das Bedürfnis ankommt, von ihm gehalten oder gestützt zu werden, ein Ersatzkameramann da ist. Von chronisch überlastetem Klinikpersonal ist hierbei zu Recht keine Unterstützung zu erwarten. Dazu gibt es Freunde, die in einem toleranten Haus sicher gern gesehen werden.
  7. Während Ihre Frau im Krankenhaus liegt, ist Gelegenheit, das technische Equipement für den stationären Einsatz zu Hause einzurichten. Der Stillplatz muss gut ausgeleuchtet sein, störende Geräusche müssen eliminiert werden, damit Ihre Clips auf höchstem Niveau gedreht werden können. Jetzt noch einen entsprechenden Volkshochschulkurs (siehe 1.) zu buchen, ist zu spät! Ziehen Sie lieber den Rat eines Freundes hinzu. Jetzt können Sie auch die nicht gebrauchte Zweitdomain (siehe 2.) parken.
  8. Jetzt kommen die heißen Tage, in denen die Einhaltung der zu Beginn der Partnerschaft geschlossene Vereinbarung über die Arbeitsteilung (siehe 1.) auch mal eingefordert werden muss. Wenn Ihre Partnerin nach Hause kommt, ist Rücksichtnahme, aber auch Durchhalten gefragt. Ihre Familien, die Freunde und die ganze Webcommunity warten auf Informationen: Stillen, Wickeln, Schlafen, das Fiepen des Babyphons – alle wollen es wissen, sehen, hören! Bitten Sie Ihre Partnerin, sich dazu ein wenig zu schminken! Das grelle Licht ist unerbittlich, und Sie arbeiten an der Zukunft Ihres Kindes.
  9. Schreiben Sie emotional! Es kommt nicht auf Rechtschreibung an, sondern darauf, dass Ihre Freunde sehen, dass Sie kein Klotz sind! Schreiben Sie authentisch! Mit Kindern zu leben, heißt von Kindern zu lernen. Deshalb ist es durchaus angemessen, sich im Schreibstil der geistigen Entwicklung des Kindes anzupassen. Schreiben Sie regelmäßig. Vernachlässigen Sie nicht die technische Seite – SEO ist das Stichwort. In Ihrem Browser sollte die Google-Suche nach den Vornamen ihres Sprösslings als Startseite eingestellt sein. Das beugt späterem Ego-Google-Frust ihres Nachwuchses vor.
  10. Bleiben Sie Ihrem Auftrag treu: Seien Sie Berichterstatter! Wenn Ihr inzwischen gewachsenes Kind auf dem Spielplatz hinfällt, halten Sie mit der Kamera drauf! Aufhelfen können Sie ihm später. Jedes gute Bild erfreut die ganze Webgemeinde! Ihr Mitleid findet dann später im Text angemessenen Ausdruck. Bleiben Sie im Hintergrund! Ihr Kind begründet nicht Ihren, sondern Sie den Ruhm Ihres Kindes! Niemand interessiert sich für Ihren Namen, Sie sind und bleiben hermione-norma-anais-papa oder kevin-marvin-mama!

Das alles können Sie sich schon mal ansehen, wenn Sie sich in der Babybloggerszene umsehen. Wenn Sie sich an diese Regeln halten, wächst Ihr Blog und Ihr Kind wächst auch. Lassen Sie sich nicht von Misserfolgen beunruhigen! Elternschaft ist schwer, Bloggerschaft gibt ihr Sinn. Ihre Bloggercommunity wird Ihnen danken und mit Ratschlägen nicht geizig sein. Der Rest geht dann fast von allein.

Und einmal, wenn Ihr Kind groß geworden ist, geben Sie ihm den Zugangscode zu Ihrem Blog und sagen stolz: „Hier, mein Kind, das ist alles dein. Mein Lebenswerk, dein Leben, ein Blog.“

Kategorien: Abgebloggt · Blog · Erziehung · Internet · Lifestyle
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